
Klären Sie zuerst, wozu der Prototyp dienen soll
Der teuerste Prototyp ist der, der die falsche Frage beantwortet. Bevor wir etwas drucken, fragen wir, was geprüft werden soll. Grob gibt es drei Arten von Modellen:
Designmodell (Looks-like). Es soll aussehen wie das Produkt – für Fotos, Investorenpräsentationen, Kundentests und Messen. Es zählen Form, Farbe und Oberfläche. Das Innere darf hohl sein. Meist kommen Schleifen und Lackieren dazu.
Funktionsmodell (Works-like). Es muss funktionieren: Schnapphaken müssen einrasten, die Elektronik muss ins Gehäuse passen, ein Griff muss die Last tragen. Die Optik ist zweitrangig. Wir wählen ein belastbares Material und die passende Druckausrichtung.
Ergonomie- und Volumenmodell. Es zeigt, ob das Teil gut in der Hand liegt und ins Regal, in die Schublade oder in die Verpackung passt. Oft genügt ein schneller Druck mit dicker Schichthöhe oder sogar ein Block aus XPS-Hartschaum.
Wenn Sie wissen, welches Modell Sie brauchen, sparen Sie sofort: Sie zahlen weder für die Lackierung eines Modells für Belastungstests noch für teures Material in einem Fotomodell.
In der Praxis durchlaufen Unternehmen oft alle drei Stufen: zuerst ein schnelles Volumenmodell, dann ein Funktionsmodell für Tests und zum Schluss ein sauber gefinishtes Exemplar für die Präsentation. Jedes davon wird günstiger, wenn es nicht alles auf einmal sein muss.
Der Weg von der Idee zum Modell
- Ausgangsmaterial. Sie schicken, was Sie haben: CAD-Datei, Maßzeichnung, Skizze, Foto eines ähnlichen Gegenstands oder den Gegenstand selbst zum Scannen.
- 3D-Modell. Fehlt eine Datei, konstruiert unser Modellierer das Modell (ca. 44 € netto/h). Bei ungewöhnlichen Formen beginnen wir mit einem 3D-Scan des vorhandenen Objekts.
- Abstimmung. Wir zeigen das Modell am Bildschirm oder als Rendering. Änderungen kosten in dieser Phase am wenigsten.
- Erster Druck. Wir drucken auf einem unserer 7 3D-Drucker. Ein kleines Teil dauert einige Stunden, ein größeres Gehäuse oft eine Nacht oder länger.
- Test bei Ihnen. Sie prüfen, was funktioniert und was nicht. Notieren Sie Ihre Anmerkungen konkret: „Schnapphaken zu stramm“, „Bohrung 2 mm zu tief gesetzt“.
- Iteration. Wir passen das Modell an und drucken die nächste Version. Mehrere Versionen sind beim Prototyping normal.
- Finales Modell. Die letzte Version können wir präsentationsfertig machen – schleifen, grundieren, in Wunschfarbe lackieren (ca. 34 € netto/h Nachbearbeitung).
Ein Durchlauf für eine Version dauert bei fertiger Datei meist 2–3 Arbeitstage. Bei mehreren Iterationen sollten Sie realistisch 2–3 Wochen einplanen.

Welche Technologie für welchen Prototyp
| Technologie | Wann wir sie wählen | Richtwert (netto) |
|---|---|---|
| 3D-Druck – Standarddrucker | Gehäuse, Halterungen, Mechanik, kleine Modelle | ca. 14 € / Std. + Material |
| 3D-Druck – Großformat | große Teile in einem Stück | ca. 26 € / Std. + Material |
| 3D-Schnitt von XPS-Hartschaum | große Körper, Volumenmodelle, Requisiten | ca. 55 € / Std. |
| CNC-Fräsen von Platten | flache Teile, Paneele, Sockel, Displays | ab ca. 1,65 € / lfm Fräsweg |
| Laser | Kleinteile aus Acrylglas, Sperrholz, Filz | ab ca. 0,80 € / lfm Schnittweg |
| Kartonzuschnitt und Rillen | Prototypen von Verpackungen und POS-Displays | ca. 0,70 € / lfm Schnitt, ca. 0,50 € / lfm Rillung |
| Probedruck A3 | Prüfung der Grafik auf dem Zielmaterial | ca. 13 € / Stück |
Wir arbeiten im FDM-Verfahren, also mit Filament. Braucht der Prototyp eine Oberfläche ohne sichtbare Schichten, bearbeiten wir ihn von Hand nach. Sind Details in Schmuckqualität gefragt, sagen wir offen, dass ein Harzdruck (SLA) die bessere Wahl ist.
Was kostet ein Prototyp – ein Beispiel
Nehmen wir das Gehäuse eines kleinen Elektronikgeräts: zwei Teile, die verschraubt werden, zusammen ca. 180 g PETG, ca. 9 Stunden Druckzeit. Der Kunde hat nur eine Maßzeichnung.
- Modellierung des Gehäuses nach Zeichnung: ca. 4 h × 44 € = ca. 176 €
- Druck: 9 h × 14 € = 126 €
- Material: 180 g × 0,10 € = ca. 18 €
- Datenaufbereitung und Druckstart: ca. 14 €
- Erste Version gesamt: ca. 340 € netto
Die zweite Version nach Änderungen ist deutlich günstiger – die Modellierung dauert oft eine Stunde statt vier, der Druck kostet gleich viel. Brauchen Sie danach 10–50 Stück für Nutzertests, gilt bei der Serie ein Rabatt von ca. 15 %.
Wie wir 3D-Druck genau kalkulieren, beschreiben wir im Ratgeber Was kostet 3D-Druck.
Am stärksten beeinflusst der Ausgangspunkt die Kosten. Eine fertige, geprüfte STEP-Datei bedeutet, dass Sie praktisch nur den Druck bezahlen. Eine Skizze auf Papier bedeutet einige Stunden Modellierarbeit, bevor die Maschine überhaupt startet. Schicken Sie deshalb beim ersten Kontakt alles, was Sie haben – auch Fotos ähnlicher Wettbewerbsprodukte oder eine Handskizze mit Maßen.
Prototypen in der Werbung: Displays, Verpackungen, Schilder
Als Druckerei und Werbetechnik-Hersteller bauen wir oft Prototypen, die Kunden gar nicht mit „Prototyping“ verbinden:
- Thekendisplay oder Regalaufsteller – ein Exemplar aus Karton oder PVC mit voller Grafik, bevor Sie die Serie für Dutzende Filialen bestellen,
- Verpackung – ein auf dem Plotter geschnittenes und gerilltes Schachtelmuster, um Maß und Wirkung des Produkts darin zu prüfen,
- Buchstabe oder Logoteil – ein einzelner Leuchtbuchstabe oder ein Element des Emblems, um Farbe und Licht vor der Produktion der ganzen Fassadenwerbung zu beurteilen.
Das ist ein günstiger Weg, einen teuren Fehler in der Serie zu vermeiden. Mehr über Ausstellungsmodelle lesen Sie im Ratgeber Modelle und Modellbau, die Leistung selbst beschreibt die Seite Prototypen und Modelle.
