
Designmanual und Store Manual – der Unterschied
Das Designmanual (Brand Book) sagt, wie das Logo aussieht: Proportionen, Schutzzone, Farben, Graustufenversionen, Typografie, Verbote. Das ist das Fundament, aber mit dem Designmanual allein bestellt man kein Firmenschild. Es sagt nicht, ob der Leuchtkasten leuchten soll, wie tief, mit welcher Front, wie hoch über der Tür und was zu tun ist, wenn die Fassade nur einen freien Streifen von 60 cm hat.
Das Store Manual geht eine Ebene tiefer – zu Trägern und Gebäuden. Es beantwortet die Fragen, die der Auftragnehmer bei jeder Filiale stellt:
- welcher Träger in welcher Situation (Leuchtkasten, 3D-Buchstaben, Nasenschild, Tafel),
- welche Maße und Proportionen, mit Varianten für unterschiedliche Fassaden,
- aus welchen Materialien und in welchen Farben – mit Referenznummern, nicht nur Farbnamen,
- was wo im Innenraum und am Schaufenster hängt,
- wie montiert wird und wer wofür zuständig ist.
Hat die Firma noch kein geordnetes Erscheinungsbild, ist die Reihenfolge klar: zuerst Corporate Design und Designmanual, dann das Filialhandbuch. Den Unterschied zwischen Logo und dem breiteren Markensystem beschreiben wir im Beitrag Logo und Branding.
Fassade: Firmenschild, Leuchtkasten, Schaufenster – Varianten für verschiedene Gebäude
Der größte Fehler in Handbüchern, die wir zur Umsetzung bekommen, ist eine einzige Fassadenzeichnung – meist ein ideales Ladenlokal in einem neuen Pavillon. Dann kommt ein Altbau im Denkmalschutzbereich, ein Lokal im Einkaufszentrum mit vom Betreiber vorgegebenem Format oder ein Gebäude, an das nur ein schmaler Streifen über der Tür passt. Und jeder Auftragnehmer improvisiert auf seine Weise.
Ein gutes Handbuch sieht mehrere typische Varianten vor:
- Grundvariante – Leuchtkasten oder Buchstaben an der Fassade, mit Maßen in mehreren Größen (z. B. S, M, L) und Skalierungsregel.
- Schmale Variante – bei begrenzter Streifenhöhe; meist nur Logo oder Buchstaben ohne Hintergrund.
- Unbeleuchtete Variante – wo Lichtwerbung nicht erlaubt oder nicht nötig ist.
- Nasenschild – rechtwinklig zur Fassade, für Fußgänger entlang der Straße.
- Lokal im Einkaufszentrum – unter Berücksichtigung der Betreiberrichtlinien, die oft Tiefe, Beleuchtungsart und Montagezeiten vorgeben.
- Schaufenster – Beklebungsschema: Streifen mit Logo, Aktionszone, Öffnungszeiten, Eingangskennzeichnung, Höhe des Markierungsstreifens auf der Scheibe.
Örtliche Vorschriften (Gestaltungssatzungen, Denkmalschutzauflagen, Centerregeln) unterscheiden sich je nach Ort und Land, deshalb sollte das Handbuch klar sagen: Vor der Bestellung die örtlichen Anforderungen prüfen, und im Konfliktfall gilt die vor Ort zulässige Variante.

Innenraum: Beschilderung, POS, Zonen
Der Innenraum ist die zweite Hälfte des Handbuchs und oft die, an die die Kette zu spät denkt. Hier beschreibt man:
- Informationsbeschilderung – Kasse, Umkleiden, Toiletten, Ausgang, gesperrte Bereiche; eine Schilderfamilie, eine Schrift, eine Montagehöhe,
- Verkaufszonen – Wandgrafiken, Inseln, über den Regalen, mit Platzierung auf einem typischen Grundriss,
- POS-Material – Wobbler, Regalstopper, Preisschilder, Regalleisten, Displays – mit Formaten, damit Kampagnen für alle Standorte in Serie gedruckt werden können,
- Rahmen und Wechselträger – wo Plakat- oder Textilrahmen hängen, in denen jede Saison nur der Druck wechselt,
- Backoffice – Arbeitsschutzinformationen, Tafeln für das Personal, wenn die Zentrale sie vereinheitlichen will.
In der Praxis bringt die Vereinheitlichung der Formate von Wechselträgern die größte Ersparnis. Hat jede Filiale Rahmen derselben Größe, ist eine Saisonkampagne ein Druckauftrag und ein Versand an viele Filialen, nicht zwanzig getrennte Angebote.
- 01Briefing
Beschreibung, Maße, Fotos vom Standort und Termin — ein paar Sätze genügen.
- 02Entwurf und Angebot
Unsere Grafiker erstellen Entwurf oder Visualisierung, Sie erhalten den Preis.
- 03Freigabe
Sie geben den Entwurf frei; bei Hausfarben gibt es einen Proof.
- 04Produktion
35+ Maschinen im eigenen Werk in Polen: UV-Druck 3,2 m, CNC, Laser, 3D, Näherei.
- 05Montage oder Versand
Eigene Teams und Fahrzeuge in ganz Europa, Partnernetz, Kuriere weltweit.
Technische Spezifikationen: Materialien, Farben, Maße
| Feld | Was eintragen | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Name und Code | z. B. E-01 Fassadenleuchtkasten, Größe M | Bestellung per Code, ohne jedes Mal neu zu beschreiben |
| Maße | Breite, Höhe, Tiefe, Skalierungsregel | Gleiches Erscheinungsbild in verschiedenen Lokalen |
| Konstruktion | Profil, Front, Beleuchtungsart, Schutzart | Vergleichbare Angebote verschiedener Anbieter |
| Farben | Referenz (z. B. Pantone), CMYK-Werte, Folienart | Einheitliche Farbe zwischen Filialen |
| Grafik | Referenzdatei, Schutzzonen, Mindestgröße des Logos | Keine Dateiumbauten vor Ort |
| Montage | Höhe, Befestigungsart, Stromversorgung, Zuständigkeit | Weniger Überraschungen bei der Montage |
| Austausch und Service | Was getauscht wird, wie oft, wie man Teile bestellt | Standard auch nach Jahren halten |
Dieses Kapitel nützt dem Auftragnehmer am meisten – und ist am häufigsten zu allgemein. „Beleuchteter Leuchtkasten in der Firmenfarbe“ reicht nicht: Jeder Träger sollte ein eigenes Datenblatt mit Feldern wie in der Tabelle oben haben.
Bei Farben sollte man nicht nur die Referenznummer eintragen, sondern auch, wie die Übereinstimmung beurteilt wird – mehr im Ratgeber zur Farbkonstanz in der Serienproduktion. Unser Studio kann Ausführungszeichnungen und Trägerspezifikationen zu einem bestehenden Designmanual erstellen; die technische Planung mit Befestigungsauswahl kalkulieren wir ab ca. 85 € netto pro Objekt oder Trägertyp, Details bestätigen wir nach Kontaktaufnahme.
Ablauf für neue Filialen und Franchisenehmer
Ein Handbuch ohne Ablauf ist ein Dokument, das in der Schublade liegt. Am besten funktioniert ein einfacher Weg, den jede neue Niederlassung und jeder Franchisenehmer kennt:
- Lokal melden – Adresse, Fotos von Fassade und Innenraum, Maße, Angaben zu örtlichen Anforderungen.
- Aufmaß – vor Ort oder nach der Aufmaßanleitung im Handbuch. Aufmaß und Bestandsaufnahme vor Ort machen wir ab ca. 85 € netto, verrechnet bei Produktionsauftrag. Wie man das an vielen Standorten organisiert, beschreiben wir im Beitrag Filialen vor einer Kampagne aufmessen.
- Variantenauswahl – aus dem Trägerkatalog im Handbuch, ohne Entwurf von null.
- Visualisierung und Freigabe – die Zentrale gibt frei, bevor etwas in Produktion geht.
- Örtliche Formalitäten – Zustimmung von Betreiber, Eigentümergemeinschaft, Behörde, wenn nötig.
- Produktion und Montage – termingerecht zur Eröffnung.
- Abnahme mit Fotos – Dokumentation, dass die Filiale dem Standard entspricht.
Für Franchise-Systeme sollte das Handbuch festhalten, welche Elemente Pflicht und welche optional sind und bei wem der Franchisenehmer sie bestellt. Ein Auftragnehmer für das ganze Netz erleichtert die Einheitlichkeit – bei Umsetzung an vielen Standorten gleichzeitig bewährt sich ein Rollout im Filialnetz mit Bericht.
Aktualisierung des Standards und Konformitätskontrolle
Ein Handbuch altert: Logo oder Farbe ändern sich, ein neues Lokalformat kommt hinzu, ein Materiallieferant nimmt eine Folie aus dem Programm. Gut ist eine Person oder Abteilung, die für die Dokumentversion verantwortlich ist, und ein Versionsdatum auf jeder Seite. Alte Versionen im Umlauf sind der einfachste Weg zu Filialen, die „fast gleich“ aussehen.
Die Konformitätskontrolle stützt man am einfachsten auf Fotos: nach jeder Montage und z. B. einmal jährlich von jeder Filiale. Der Vergleich mit dem Trägerdatenblatt zeigt schnell, wo ein Leuchtkasten ausgefallene Module hat, wo die Schaufensterfolie ausgeblichen ist und wo jemand einen eigenen Zettel an die Tür geklebt hat.
Beim Rebranding ist das Handbuch die Grundlage, um den gesamten Austausch zu kalkulieren – die Trägerliste mit Codes und Maßen erlaubt ein Angebot für das ganze Netz, ohne jeden Standort neu abzufahren.
