
Visual Merchandising und Merchandising – der Unterschied
Merchandising im weiteren Sinn ist die Entscheidung, was im Regal liegt: Sortiment, Menge, Preise, Umschlag. Visual Merchandising beantwortet die Frage, wie es aussieht und in welcher Reihenfolge der Kunde es sieht.
Ein Beispiel aus der Praxis: Dasselbe Geschäft mit derselben Ware kann nach einer Umstellung der Regale, der Beleuchtung am Eingang und der Abteilungsbeschilderung deutlich besser verkaufen. Am Angebot hat sich nichts geändert – geändert hat sich, ob der Kunde es bemerkt.
In der Praxis verbindet VM mehrere Dinge:
- Ladenlayout und Kundenlauf,
- Warenpräsentation (Höhe, Gruppierung, Menge im Regal),
- Kommunikation: Abteilungsbeschilderung, Preise, Aktionen,
- Licht, Farbe und Großformatgrafik,
- das Schaufenster als Einladung nach innen.
Wir kümmern uns um die letzte, materielle Ebene: Wir drucken, schneiden, nähen und montieren, was der VM-Gestalter oder der Ladeninhaber selbst entwickelt hat. Oft helfen wir auch bei der Planung, weil wir Dutzende Geschäfte sehen und wissen, was funktioniert.
Ladenzonen: Eingang, Kundenlauf, heiße und kalte Bereiche
Jedes Geschäft hat Zonen, an denen Kunden ohne hinzusehen vorbeigehen, und solche, in denen sie langsamer werden. Ein gutes Layout beginnt damit, sie zu erkennen.
- Eingangszone (Dekompressionszone) – die ersten 2–3 Meter hinter der Tür. Der Kunde bremst gerade ab und schaut sich um, kleine Artikel und kleine Schriften gehen unter. Hier wirkt eine große Botschaft besser als fünf kleine.
- Hauptlauf – führt meist nach rechts und in die Tiefe des Geschäfts. Entlang dieses Wegs steht Ware, die sich verkaufen soll, und Aktionsplatzierungen.
- Heiße Zonen – Regalköpfe, Kassenbereich, die vom Eingang sichtbare Wand. Hier kommen Neuheiten und Aktionen hin.
- Kalte Zonen – Ecken, hinterer Ladenbereich, Regale in Seitengängen. Damit Kunden dorthin gehen, braucht es einen Grund: Waren des täglichen Bedarfs, eine deutliche Abteilungsbeschilderung oder eine Grafik, die den Blick von Weitem anzieht.
Um Kunden in kalte Zonen zu „ziehen“, eignen sich Bodengrafiken mit Pfeilen oder Laufweg sowie große Wandgrafiken an der Rückwand. Bodenfolie braucht ein rutschhemmendes Laminat – auf glatter Folie bei nassem Boden stürzt früher oder später jemand.

Das Schaufenster als erste Präsentation
Das Schaufenster ist der einzige Teil des Geschäfts, den Menschen sehen, die noch nicht drinnen sind. Die häufigsten Fehler, die wir sehen:
- Schaufenster komplett mit Aushängen beklebt – Passanten sehen weder Ware noch Innenraum.
- Zu viel Text. Vom Gehweg aus, im Vorbeigehen, liest man ein paar Wörter, keinen Absatz.
- Eine Dekoration, die seit Jahren nicht gewechselt wurde und von der Sonne ausgebleicht ist.
- Keine Information, was das Geschäft anbietet, wenn der Innenraum schlecht einsehbar ist.
Ein sinnvoller Aufbau: Name und Branche von Weitem lesbar, eine Hauptbotschaft (Saison, Neuheit, Aktion) und Platz für den Blick nach innen. Muss das Lager verdeckt werden, bewährt sich Lochfolie (One Way Vision) – außen eine vollflächige Grafik, von innen sieht man die Straße.
Mehr zur Gestaltung des Schaufensters im Ratgeber Schaufenster gestalten. Fertigung und Montage der Folien übernehmen wir im Rahmen der Schaufensterbeschriftung.
- 01Briefing
Beschreibung, Maße, Fotos vom Standort und Termin — ein paar Sätze genügen.
- 02Entwurf und Angebot
Unsere Grafiker erstellen Entwurf oder Visualisierung, Sie erhalten den Preis.
- 03Freigabe
Sie geben den Entwurf frei; bei Hausfarben gibt es einen Proof.
- 04Produktion
35+ Maschinen im eigenen Werk in Polen: UV-Druck 3,2 m, CNC, Laser, 3D, Näherei.
- 05Montage oder Versand
Eigene Teams und Fahrzeuge in ganz Europa, Partnernetz, Kuriere weltweit.
Abteilungsbeschilderung und Preiskommunikation
Ein Kunde, der eine Abteilung nicht findet, fragt selten – öfter geht er. Deshalb sollte die Beschilderung über den Regalen sichtbar sein, also hoch: abgehängte Schilder, Wandschriften, Hänger.
Einige Regeln, die sich in der Praxis bewähren:
- ein Abteilungsname = eine Farbe oder ein Piktogramm im ganzen Geschäft,
- Abteilungsschriften vom anderen Ende des Raums lesbar (in einer Halle von einigen Dutzend Metern müssen die Buchstaben über zehn Zentimeter und mehr hoch sein),
- Preiskommunikation in einem festen Layout – Kunden lernen, wo sie den Preis finden,
- Aktionen in einer anderen Farbe als der reguläre Preis, aber innerhalb derselben Gestaltungsfamilie.
Am Regal arbeiten Wobbler, Regalstopper und Preisschilder – meist aus HIPS oder PVC mit UV-Druck. Vorsicht vor dem Zuviel: Hängen an einem Regal zehn Wobbler, wirkt keiner. Mehr dazu im Ratgeber zu POS-Material.
Licht, Farbe und Großformatgrafik
Licht bestimmt, wohin der Kunde schaut. Eine heller beleuchtete Wand zieht den Blick an und „holt“ den hinteren Ladenbereich nach vorn. Dunkle Ecken bleiben leer.
Hier bewähren sich beleuchtete Textilrahmen: eine große, gleichmäßig hinterleuchtete Grafik, die sich ohne Demontage des Rahmens tauschen lässt. Ein Leuchtkasten mit SEG-Textilfront beginnt bei ca. 300 € netto/m², ein ultraflacher LED-Leuchtkasten im Format A1 bei ca. 165 € netto.
Bei der Farbe ist es einfach: Je weniger Farben in der Kommunikation, desto deutlicher die Ware. Die Grafik soll Hintergrund für das Produkt sein und nicht mit ihm konkurrieren. In Modegeschäften reichen oft große Fotos in den Farben der Kollektion und ein ruhiger Hintergrund.
Für abgegrenzte Markenzonen (z. B. ein Hersteller in einem größeren Geschäft) setzt man Shop-in-Shop-Lösungen ein. Ein SEG-Rahmenmodul 100 × 230 cm mit Grafik kostet bei uns ab ca. 160 € netto, der reine Grafikwechsel ab ca. 65 € netto.
Wechsel der Saisondekoration – wie man ihn plant
Saisondekorationen scheitern meist an den Terminen. Eine Weihnachtsgrafik, die eine Woche vor der Aktion bestellt wird, bedeutet Hektik, Expresszuschläge und Montage während der Öffnungszeiten.
Unser bewährter Zeitplan:
- 6–8 Wochen vor der Saison – Entscheidung über das Motiv und Liste der Träger (Schaufenster, Boden, Wände, Regale).
- 4–5 Wochen – Entwurf und Dateifreigabe, Aufmaß neuer Flächen.
- 2–3 Wochen – Produktion (standardmäßig ca. 3 Arbeitstage, größere Sets bis ca. 14 Tage).
- Eine Woche vorher – Versand oder Montage, am besten außerhalb der Öffnungszeiten.
- Nach der Saison – Demontage und gegebenenfalls Einlagerung wiederverwendbarer Elemente.
Es lohnt sich, Saisongrafiken so zu planen, dass die Konstruktionen bleiben und nur die Grafik wechselt: Textilrahmen, Leuchtkasten mit austauschbarer Front, magnetische Paneele. Mehr Ideen im Ratgeber zur Saisonwerbung.
VM-Standard im Filialnetz
| Element | Was festlegen | Typischer Träger |
|---|---|---|
| Schaufenster | Zonenaufteilung, Scheibenmaße in jeder Filiale | Folien, Lochfolie, Leuchtkästen |
| Abteilungsbeschilderung | Farben, Piktogramme, Abhängehöhe | abgehängte Schilder, Hänger |
| Preiskommunikation | Muster für Preisschilder und Wobbler | HIPS, PVC, Preisleisten |
| Aktionszonen | Plätze für Displays und Kampagnen | Displays, SEG-Rahmen |
| Boden | Laufwege, Zonen, Markierungen | Bodenfolie mit Laminat R10 |
| Kampagnenwechsel | Termine, Trägerliste pro Filiale | Kampagnensets |
Im Filialnetz machen die Unterschiede zwischen den Standorten die meisten Probleme: andere Schaufensterbreiten, andere Deckenhöhen, andere Regale. Deshalb werden die Filialen vor der ersten Kampagne aufgemessen (bei uns ca. 85 € netto pro Objekt, bei Produktionsauftrag verrechnet) und alles in einem Standardhandbuch festgehalten – darüber schreiben wir im Beitrag zum Beschilderungshandbuch für Filialen (Store Manual).
Danach ist jede Kampagne ein Set pro Filiale, kommissioniert und an die Adresse des Standorts verschickt. Das Kommissionieren eines Sets kostet ca. 3,35 € netto pro Standort, der Mehrpunktversand ca. 2,75 € netto pro Standort. Details im Angebot Kampagnensets für Filialnetze. Mit Ketten, die Geschäfte in mehreren Ländern haben, sprechen wir in ihrer Sprache – wir betreuen 14 Sprachen.
